Das tat weh

Heute hatte ich eine ernsthafte Chance dem Irrenhaus hier zu entkommen. Ich hatte es vor einiger Zeit schon einmal geschafft durch ein offenes Fenster im Schlafzimmer auf das Vordach zu springen. Aber die Gefängniswärter fingen mich ein, bevor ich überlegen konnte wie ich da runter komme. Heute ergriff ich meine Chance erneut. Die Gefängniswärter waren im Erdgeschoss. Zuerst holte ich mir mein Fressen ab, dann lief ich nach oben. Ich sprang an die Tür und brach in das Schlafzimmer ein. Ich hatte Glück, das Fenster war offen. Also sprang ich auf das Fensterbrett. Ich weiß nicht wie es passiert ist. Alles ging so schnell. Ich fiel und prallte auf den Asphalt. Voller Schreck sprang ich auf das Fensterbrett vor das Küchenfenster. Die Gefängniswärter sahen mich und öffneten es sofort. Ich muss unter Schock gestanden haben. Anders kann ich mir nicht erklären warum ich meine Chance auf Freiheit nicht genutzt habe. Ich muss allerdings auch gestehen dass das Wetter äußerst schlecht für eine vernünftige Flucht war. Mein Kiefer blutete etwas, aber nicht schlimm. Zum Glück konnte ich laufen und springen. Ich dachte also es wäre halb so wild. In der Zeit als die Gefängniswärter mit dem Untier draußen waren, kam ich etwas zur Ruhe. Dabei merkte ich dass meine Pfote doch mehr weh tat als gedacht. Irgendwie konnte ich nicht mehr auftreten. Deshalb hielt ich sie nach oben. Die Gefängniswärter sahen besorgt aus als sie wieder kamen. Sie steckten mich in einen Transportkorb und brachten mich zu einem Arzt. Ich war öfter schon bei einem. Meistens drücken die auf mir herum und sind nicht gerade sanft. Aber die hier war anders. Ganz lieb. Streichelte mich ganz viel. Sie drückte zwar auch auf mir rum, aber nicht so doll. Dann machte sie noch Fotos. Weiß der Geier wozu. Die waren auch irgendwie nicht so gut getroffen, denn man sah nur Knochen. Meine hübsche Seite hat sie nicht getroffen. Ärzte sollten einfach nicht fotografieren. Zum Schluss jagte sie eine Spritze in meinen Körper. Danach sah ich bunte Farben. Hat mir gefallen. Hihi. Die Gefängniswärter nennen mich nun Kamikatze. Und der Junge sagt Humpelstilzchen. Dann lachen sie. Ich glaube das ist nicht ganz so nett.

So viel Aufregung

Zuerst war es wie immer. Wir sind heute im Wald spazieren gegangen und dann auf ein großes Feld. Herrchen und Frauchen haben eine gaaaanz lange Leine gekauft. An der kann ich so richtig schnell laufen. Am Vormittag war schon etwas Aufregung im Haus. Aber ich hatte nicht verstanden warum. Irgendwas war mit dem Miauhund passiert. Herrchen und Frauchen waren noch viel strenger als sonst, als ich mit dem Miauhund spielen wollte. Und der Miauhund hat auch gar nicht mit dem Schwanz gewedelt als ich kam. Komisch. Nach dem wir spazieren waren haben Herrchen und Frauchen den Miauhund in einen Käfig gepackt und sind mit ihm weggefahren. Ich blieb bei dem kleineren Herrchen. Der hat dann mit mir gespielt. Es hat ganz lange gedauert bis Herrchen und Frauchen wiederkamen. Den Miauhund haben sie wieder mitgebracht. Aber der war jetzt ganz müde und hat ganz viel geschlafen. Ich durfte noch nichtmal in seine Nähe.

Das werden ja immer mehr!

Auch heute ging ein weiterer Fluchtversuch schief. Der Junge nimmt Nummer 2 und mich immer mit in sein Zimmer und schließt die Tür. Ich habe gelernt wie man sie öffnet, aber die Gefängniswärter haben mit den Klinken irgendetwas angestellt. Es sieht jetzt anders aus. Aber ich werde schon noch rausbekommen wie sie das gemacht haben.  Und dann gnade ihnen Gott. Aus Verzweiflung habe ich meine Nägel gewetzt und die Tür geschlagen. Immer und immer wieder. Aber sie ist verdammt dick. Ich komme einfach nicht hindurch. Die Wärterin reagierte irgendwann auf meinen Fluchtversuch und öffnete die Tür. Ich ergriff meine Chance und rannte hinaus. Dabei versuchte ich ihr ein Bein zu stellen. Aber ich bin gescheitert. Geschwind raste ich hinunter in die Küche. Die Wärterin folgte mir und stellte ein Schälchen mit Fressen hin. Ich verstehe es einfach nicht. Ich zerkratze die Tür und sie stellt mir Fressen hin. Dahinter kann nur ein Vorhaben stecken. Sie will mich mästen und dann verspeisen. Ich muss aufpassen dass ich nicht zunehme. Nummer 2 wird sowieso zuerst dran sein, so fett wie die ist. Die Bitch. Nachmittags war die Wärterin mit dem Untier verschwunden. Ich nutzte die Gelegenheit und nahm erneut die Maße der Terrassentür. Meinen letzten Berechnungen zufolge hätte sie zusammenbrechen müssen wenn ich mich gegen lehne. Ich muss einen Fehler gemacht haben. Auf einmal knackte die Haustier. Meine Peiniger waren zurück. Aber nicht allein, nein, der Junge war dabei und noch jemand mit einem weiteren Untier. Da war sie. Die Rache für das zerkratzen der Tür. Ich sprang auf meinen Kratzbaum und wappnete mich für die nächste Schlacht. Ich wollte beide bluten sehen. Da nahm mich der Junge unter den Arm und schleppte mich wieder in sein Zimmer. Nummer 2 war schon dort. Wie immer am fressen. Vielleicht sollte ich meine Strategie noch einmal überdenken und auch fett werden. Jaaah, fett und schwer. Dann wollen wir mal sehen wer wen wegschleppt.

Meine Freundin Jessy

Vor einigen Tagen habe ich meine beste Freundin Jessy kennengelernt. Ich war gerade mit meinem Kacki fertig, da stand sie vor mir. Zusammen mit ihrem Frauchen. Erst hatte ich Angst, aber das hörte ganz schnell auf. Jessy kommt auch aus einem anderen Land und hat ihr Frauchen genauso lieb wie ich meins. Und ich hab ihr Frauchen auch lieb und sie hat mein Frauchen auch lieb. Und wir beide haben uns sowieso lieb. Es ist alles so toll. Heute hat sie mich wieder zum Gassi gehen abgeholt. Sie erzählte mir dass sie gar kein Hunger mehr hat, weil sie Katzenkotze gefressen hat. Ich weiß zwar nicht was das ist, aber es muss total lecker sein, denn Jessy hat sonst immer Hunger. Unterwegs trafen wir einen anderen Hund. Er war hinter einem Zaun und begrüßte mich ganz laut. Ich grüßte zurück und wir erzählten uns gegenseitig wer wir waren. Jessy musste schon ganz schnell weiter gehen, aber Frauchen blieb mit mir stehen. Sie redete immer dazwischen. War total nervig, denn ich wollte ja unbedingt wissen was mir der andere Hund erzählte. Also musste ich lauter reden. Und Frauchen wurde auch lauter. Das ging eine Weile so weiter, bis hinter dem Zaun auf der anderen Seite ein weiteres Herrchen und Frauchen auftauchten. Sie waren schon ganz alt und hatten keinen Hund. Sie sagten etwas zu Frauchen und dann sagte Frauchen etwas. Und dann sagten die beiden wieder etwas und dann wurden alle wütend. Der Hund und ich hörten auf zu reden. Bei dem Lärm kann sich ja keiner unterhalten. Jessy kam noch mit zu uns. Der Miauhund war auch gerade da. Der sitzt immer auf so einem Baum. Habe da auch schon versucht hochzuklettern, es aber nur bis zur ersten Stufe geschafft. So hoch wie der Miauhund komme ich nicht. Schon irre was die Hunde in anderen Ländern so können. Jessy hat sich auch ganz doll gefreut. Wir wollten beide mit dem Miauhund spielen, aber Frauchen rief das kleinere Herrchen und der nahm ihn dann mit. Schade.

Das bedeutet Krieg

Wir befinden uns im 5 Jahr meiner Gefangenschaft. Ich versuche regelmäßig auszubrechen, aber meine Gefängniswärter finden mich immer wieder. Sie haben mir den albernen Namen „Sheileen gegeben, aber ich weigere mich darauf zu hören. Ich bevorzuge Nummern. Namen sind was für Lutscher. Ich bin also Nummer 1. Zusammen mit Nummer 2 friste ich meinem Dasein in dieser Hölle. Jeden Tag verleihe ich meiner Wut Ausdruck. Ich zerkratze die Möbel, würge Fellknäuel hoch ignoriere meine Gefängniswärter. Alles in der Hoffnung dass sie genug von mir haben und mich gehen lassen. Aber sie müssen dumm sein. Ständig versuchen sie mich zu streicheln und grinsen blöd wenn sie nach mir rufen. Nummer 2 gefällt das. Sie ist so eine Tussi. Ständig versucht sie zu kuscheln. Vorzugsweise mit den Gefängniswärtern. Verräterin! Ich gebe zu dass ich das auch ab und zu mache. Von irgendetwas muss ich ja leben. Kuscheln = Fresschen. Trotz meines Widerwillens muss ich zugeben dass die vergangenen Jahre für mich auszuhalten waren. Es ist mir gelungen die Gefängniswärter  zu manipulieren. Seit neuestem jedoch haben Nummer 2 und ich ein ernstzunehmendes Problem. Vor einigen Wochen haben die Gefängniswärter ein stinkendes, lautes Untier eingeschleppt. Weiß der Geier warum. Ich vermute sie haben mich durchschaut. Jetzt ist jeden Tag Krieg. Bereits nach dem Aufstehen lauert es schon im Erdgeschoss des Hauses. Mit heftigem Schwanzwedeln kündige ich jedesmal meine tiefste Verachtung an. Das Untier antwortet mir gleichermaßen mit heftigem Schwanzwedeln. Nummer 2 bleibt immer auf dem Kratzbaum, die Memme. Aber ich, ich stürze mich in die Schlacht. Leise schleiche ich mich dann an und warte. Sobald das Untier näher kommt, fauche ich los. Aber ich kann es noch besser. Knurrend bäume ich mich auf und renne auf das Untier zu. Ein Fausthieb, dann noch einer. Ich lege die Ohren an, das Untier auch. Jetzt werde ich es zerfetzen. Leider kam die Gefängniswärterin hinzu. Sie pfeift das Untier zurück, ich flüchte zu Nummer 2 auf den Kratzbaum. Aber es ist noch nicht zu Ende. Ich muss besser werden.

Bemerkenswert

Hallo, ich heiße „Nein“.

Darf ich mich vorstellen? Ich heiße „Nein“. Vielleicht auch „Aus“ oder „Lass die Katze in Ruhe“. Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Vor einem Monat bin ich bei meiner Familie eingezogen. Es gibt ein Frauchen, ein Herrchen und ein kleineres Herrchen. Vorher habe ich mit meinen Geschwistern und ganz vielen anderen Hunden in einem kleinen Haus gelebt. Drumherum war ein Zaun und es war ganz kalt. Eines Tages kamen zwei Frauen und packten mich zusammen mit meiner Schwester in einen Lieferwagen. Der fuhr dann ganz lange. Wir waren über einen Tag unterwegs. Als die Tür von dem Lieferwagen endlich wieder aufging, sah ich Frauchen und Herrchen. Ich habe sie sofort erkannt, denn sie freuten sich mich zu sehen. Und ich freute mich auch. Angekommen in meinem Zuhause lernte ich dann mein kleineres Herrchen kennen. Außerdem waren da noch zwei andere Mitbewohner. Ich glaube das sind auch Hunde. Sie haben vier Beine, einen Schwanz und einen Kopf. Als ich reinkam, haben sie sich genauso gefreut wie ich. Ich wackelte mit dem Schwanz, die beiden auch. Ich knurrte vor Freude und die beiden auch. Aufregend. Ich wollte sofort mit ihnen spielen. Zwar weiß ich nicht was „Miau“ oder „Fauch“ heißt, aber ich glaube das liegt daran dass die in dem Land wo ich jetzt bin eine andere Sprache sprechen. Bei uns machen alle Hunde „Wauwau“. Hier machen halt einige „Miau“ und „Fauch“. Macht ja nix. Frauchen, Herrchen und das kleinere Herrchen waren auch ganz aufgeregt und rannten auf mich zu als ich nach dem Miauhund schnappen wollte. Alle wollten mit mir spielen. Toll.